Fatwa zu der Frage, ob Muslime die Spiele der Fußballweltmeisterschaft ansehen dürfen

Institut für Islamfragen

Sie sind zu vermeiden, weil sie vom Glauben ablenken

Von dem Rechtsgutachter Dr. Youssef al-Ahmad, Islamischer Rechtsgelehrter und Dozent für Rechtswissenschaften an der Islamischen Universität „Imam Muhammad Ibn al-Sa’ud“ in Riyad, Saudi-Arabien

(Institut für Islamfragen, dh, 13.09.2010)

Frage:

„Frau Fatima at-Tammam möchte sich bei Ihnen erkundigen, wie der Islam das Anschauen von Fußballspielen bzw. Spielen der Weltmeisterschaft beurteilt, die von vielen muslimischen Frauen mit Begeisterung für die Spiele und die westlichen Länder des Unglaubens angeschaut werden. Diese [Musliminnen] tragen sogar die Fahnen dieser Länder des Unglaubens und vernachlässigen ihre Studien, obwohl sie kurz vor den Prüfungen stehen. Wie würden Sie solche Menschen zurechtweisen?“

Antwort:

„Das ist ein sehr wichtiges Thema. Viele Leute behandeln es auf eine falsche oder unvollständige Weise, einige verbieten [das Ansehen von Fußballspielen der Weltmeisterschaft], weil sie meinen, der [nackte] Oberschenkel sei verboten, denn die Fußballspieler zeigen ihre Oberschenkel [Kommentar: nach Schariadefinition muss ein Mann stets vom Nabel bis zum Knie bedeckt sein, darf also weder seinen Oberschenkel unbekleidet zeigen noch den Oberschenkel anderer Männer sehen. Da Fußballspieler mit kurzen Hosen spielen, ist das Anschauen von Fußballspielen nach dieser Auffassung verboten]. Wir sagen jedoch, die Sache ist noch gravierender.

Andere meinen [das Ansehen von Fußballspielen sei verboten], weil sich im Fußballstadion Frauen befänden, die unverschleiert sein könnten. Wir sagen auch, die Sache ist gravierender als das Ausgehen der Frauen und das Sichtbarmachen von Verbotenem.

Die Sache betrifft den Glauben [des Islam]. Es geht hier um das Prinzip von ‚Lieben und Hassen‘ [des Gebotenen und Verwerflichen], was ein fester Bestandteil des Glaubens der Sunniten und der Mehrheit der Muslime ist. Es geht hier um [emotionale] Regungen. Man ist für oder gegen eine Fußballmannschaft. Man sagt: ‚Ich kann nicht darauf verzichten‘. Also kann man nicht unabhängig davon leben. Man feuert eine Mannschaft an. Man feuert die Mannschaft eines gewissen Landes an oder gegen ein gewisses Land. Infolge dessen mag man eine gewisse Mannschaft und hasst die andere Mannschaft. D.h. man liebt und hasst unabhängig von Allah. Man könnte sogar einen gewissen Spieler mögen. Man liebt ihn, hängt seine Fotos auf, spricht über ihn usw. Eine Art der Zuneigung ist, dass man die Trikots mancher Mannschaften trägt. Manchmal trägt man ein Trikot mit der Zahl eines bestimmten Spielers, mit dem Namen einer bestimmten Mannschaft oder eines bestimmten Landes. All das gefährdet den Glauben der Gläubigen sehr stark.

Wir sagen: ‚Fürchtet Allah! Wir dürfen lieben und hassen in Allah, sei es bei den Weltmeisterschaften oder anderen Spielen, und selbst, wenn es um arabische oder lokale Spiele geht, die nach dem jetzigen Muster ablaufen.‘

Eine der eindeutigsten hysterischen [negativen] Kennzeichen des Prinzips vom ‚Lieben und Hassen‘ ist, was wir nach dem Sieg oder der Niederlage einer Mannschaft erleben. Menschenmassen gehen auf die Straße, überfallen andere Menschen, schlagen Scheiben ein, greifen Familien an, halten fahrende Autos an und es geschehen schreckliche Dinge, Unfälle, Todesfälle. Manchmal brechen sogar Streitigkeiten in einer Familie aus. Wir haben sogar Feindseligkeiten zwischen arabischen Ländern erlebt. In der Vergangenheit gab es sogar Feindseligkeiten und Hass zwischen den arabischen Golfländern. All dies war das Ergebnis dieser Spiele.

Ein anderer triftiger Grund [gegen das Anschauen der Fußballspiele] ist die Tatsache, das sie eine Intrige der Juden sind. Das wurde in den ‚Protokollen der Weisen von Zion‘ erwähnt. Es geht um die Ablehnung der Völker, das Einkassieren ihres Geldes und die Umlenkung ihrer Interessen auf solche Trivialitäten und solchen Unnutz. Es wird das A und O eines Menschen, dass eine bestimmte Mannschaft gewinnt oder dass der Ball hierhin oder dorthin geschossen wird. Soweit wurde das Gehirn der Menschen mit Beschlag belegt. Ohne Zweifel ist dies eine bedrohliche Sache. Wir müssen dieses Problem mit der Wurzel ausreißen. D.h. wir dürfen diese [die Fußballspiele] von vornherein nicht mögen und müssen sie meiden. Einige Leute sagen: ‚Ich kann das nicht.‘ Dies ist ein Beweis dafür, dass das Prinzip des ‚Liebens und Hassens‘ bei diesen Menschen bereits fehlerhaft funktioniert.“

Der Moderator:

„Ihre Eminenz, es ist auffällig, dass sich die Zionisten selbst wenig für Fußballspiele interessieren. Dazu ist ihre Fußballmannschaft keine der bekannten Fußballmannschaften.“

Dr. al-Ahmad:

„Ja. Außerdem müssen wir alle [durch das Ansehen von Fußballspielen entstehende] Schäden unter unseren Kindern wahrnehmen. Z.B. trägt ein Schüler in der Grundschule ein Trikot der argentinischen oder brasilianischen Mannschaft oder ein Trikot der Länder, auf denen das Kreuz deutlich zu sehen ist. Das haben wir bemerkt. Wir haben viele Jugendliche davor gewarnt. Einige [Muslime] sind für eine bestimmte Mannschaft aus einem bestimmten Land. Man benutzt Ausdrücke oder den Namen oder die Rückennummer eines bestimmten Fußballspielers. Alle diese Phänomene bedeuten die Verehrung einer ungläubigen Mannschaft oder eines ungläubigen Spielers, was [aus islamischer Sicht] verboten ist. Sportsgeschäfte dürfen solche Dinge nicht verkaufen, die zu den o. g. Folgen führen können.“

Quelle: www.youtube.com/watch?v=CILlcW-9KcM&NR=1