Fatwa vom 23.07.1978: Sind Angehörige der Ahmadiyya-Bewegung Muslime?

Institut für Islamfragen

Rechtsgutachtergremium der Islamischen Weltliga urteilt ablehnend

(Institut für Islamfragen, dh, 13.02.2008) Das Rechtsgutachtergremium [der muslimischen Weltliga] hat sich in zahlreichen Schriften und Verlautbarungen mit der Gruppierung der Ahmadiyya-Bewegung auseinandergesetzt. Darin wird der Glaube und der Ursprung der Ahmadiyya-Bewegung erläutert, genauso wie die [nach Meinung der Weltliga] gefährlichen Ziele der Ahmadiyya. Diese Gruppierung ziele auf die Vernichtung des wahren Islam und auf die Irreführung der Menschen, indem sie sie vom Islam ablenke.

Anhand dieser Sichtweise hat das o.g. Gremium [der mulimischen Weltliga] eine Stellungnahme herausgegeben:

„Der qadianische Glaube, genannt Ahmadiyya, ist ein gänzlich vom Islam abgefallener Glaube. Die Anhänger dieses Glaubens sind gottlose Abgefallene vom Islam. Dass die Ahmadis sich als Muslime darstellen, gilt lediglich als Tarnung und Irreführung. Das islamische geistliche Gremium [der Muslimliga] ruft alle Muslime auf – seien es Regierungen, Geistliche, Schriftsteller, Intelektuelle, Propagandisten usw. – diese irreführende Sekte in der ganzen Welt zu bekämpfen.“

Quelle: www.themwl.org/Fatwa/default.aspx?d=1&cidi=76&l=AR&cid=15

Kommentar: Die Ahmadiyya-Bewegung ist eine aus dem Islam hervorgegangene Gruppierung, die sich selbst als „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ (Jamaat = Gemeinschaft) bezeichnet. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts im indo-pakistanischen Raum. Hazrat Mirza Ghulam Ahmad rief sie vor dem Hintergrund der christlich-islamischen Kontroverse zwischen christlichen Missionaren und islamischen Gelehrten des britisch besetzten Indien ins Leben.

Nachdem Mirza Ghulam Ahmad anfänglich nur proklamiert hatte, Offenbarungen von Gott erhalten zu haben, verfestigte sich sein Anspruch bald dahingehend, ein von Gott beauftragter Prophet zu sein, auch wenn er nicht mit einer gesetzgebenden Schrift gesandt sei wie Mose, Jesus oder Muhammad. Damit stieß Mirza Ghulam Ahmad jedoch auf Widerspruch sowohl bei sunnitischen als auch bei schiitischen Muslimen. Auf diese Weise verletzte er die bereits im Koran formulierte und im Islam allgemein anerkannte Lehrmeinung von der abschließenden Sendung Muhammads als letztem Propheten der Geschichte, dem „Siegel der Propheten“.

1974 wurde die Ahmadiyya-Bewegung auf Betreiben Saudi-Arabiens aus der islamischen Gemeinschaft ausgeschlossen, 1976 bezeichneten saudi-arabische Gelehrte Ahmadiyya-Anhänger offen als „Ungläubige“ (also als Nichtmuslime) und verwehrten ihnen auch den Zugang nach Mekka. In vielen islamischen Ländern werden Ahmadiyya-Anhänger mit Mißtrauen beobachtet, abgelehnt oder sogar verfolgt, heute wohl am stärksten in Pakistan. Sie betrachten sich selbst als die eigentlichen, rechtgläubigen Muslime, die übrige muslimische Gemeinschaft als ungläubig. Daher betreiben Ahmadiyya-Anhänger intensiv Werbung unter Muslimen wie auch unter Christen (allerdings trifft das auch für sunnitische Muslime zu). Sie kommen in eigenen Moscheen zusammen.
Die Bewegung soll nach eigenen Angaben heute 12 Mio. Mitglieder in 132 Ländern haben, was allerdings recht hoch gegriffen scheint. Die Ahmadiyya-Bewegung verurteilt Gewalt als Mittel der Ausbreitung des Islam. Sie hält streng am islamischen Pflichtenkanon (Gebet, Fasten, Almosen) und der traditionellen islamischen Rollen- und Aufgabenverteilung für Frau und Mann fest.