| Kategorie: Nachrichten aus dem Ausland | 24. December 2004, 12.39 Uhr |
Metin Kaplan vor dem türkischen Gericht
Metin Kaplan verteidigte sich vor dem türkischen Gericht damit, dass
es sein Glaube verlange, dass man einen islamischen Staat gründen
müsse
Istanbul/Türkei (Institut für Islamfragen, 20.12.2004, mk)
Metin Kaplan steht nach seiner Ausweisung aus Deutschland vor dem türkischen
Gericht wegen 13 verschiedener Anklagepunkte. Unter anderem geht es um den
Vorwurf, mit Waffengewalt die Ordnung des türkischen Staates umstürzen zu
wollen und den nur knapp verhinderten Anschlag auf das Atatürk-Mausoleum in
Ankara durch ein kleines Privatflugzeug, das mit Sprengstoff gefüllt werden
sollte. Kaplan wollte nicht vor dem Gericht aufstehen mit der Begründung, er
habe Knieprobleme.
Kaplan verteidigte sich, indem er es ablehnte, dass ein Muslim ein
Terrorist sein könne. Er zitierte aus dem Koran und der Hadith Verse. Die
Türkei sei nicht das "Land des Krieges", sondern das "Land des Islams (des
Friedens)" und sein Land. Der Islam sei sowohl Religion als auch
Staatsordnung. Bei der Verbreitung des Islams könne es keinen Hass und
Zerstörung geben. Er wolle nicht den türkischen Staat zerteilen, sondern
vereinen. Weiterhin sagte er, sei das Amt eines Kalifen eine ehrenvolle
Aufgabe gerade die zerstreuten Muslime zu einen. Dschihad sei mit Terror
nicht zu vereinbaren. So würden im Irak fälschlicher Weise nicht diejenigen,
die brutalsten Terror begehen Terroristen genannt, sondern diejenigen, die
gegen diese Brutalitäten seien, würden zu Terroristen gebranntmarkt, so
Kaplan. Es gebe auch keinen Islam ohne Staat. In der Hadith stehe, dass die
Religion des Islams und der islamische Staat wie zwei Zwillingsbrüder seien,
fuhr Kaplan fort. Bevor er weitere Aussagen verweigerte, äußerte sich Kaplan
folgendermaßen: "Dank sei Allah, ich habe ein gutes Gewissen und bin
unschuldig, kein Dieb, kein Räuber, kein Schläger, kein Mörder. Wir haben
den Staat nicht betrogen. Wir haben nur gesagt, was im Koran in der Sure
22,40 steht, dass Gott einer ist und dass der Islam sowohl Staat als auch
Politik bedeutet."
Quelle: www.hurriyetim.com.tr/haber/0,,sid~1@w~2@nvid~512907,00.asp
Kommentar des Islaminstitutes: Kaplan fühlt sich nach seiner
Auffassung natürlich im Recht. Er windet sich mit der Aussage, dass er den
türkischen Staat nicht aufspalten wolle aus dem in der Türkei wohl größten
Tabu, das Atatürk hinterlassen hat: "der Staat ist unteilbar". Die Türkei
aber als "darülislamdır" zu bezeichnen, also als das "Land des Friedens" (im
Islam), ist erstaunlich für ihn. Denn es für ihn sicherlich nicht ein Land
des Friedens, weil die Türkei laizistisch genau entgegen seinen verkündeten
Prinzipien aufgebaut ist. So gibt es eine klare Trennung zwischen Staat und
Religion. Dieser Trennung hat Kaplan mit Rückendeckung des Korans den Krieg
angesagt und damit sicher eine Zahl von Anhängern auch innerhalb der Türkei
mobil gemacht.
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