Kategorie: Nachrichten aus dem Ausland16. December 2004, 06.30 Uhr

Türkei auf christlicher Promotion-Tour

Der türkische Ministerpräsident Erdogan eröffnet armenisches Museum

und Park der Religionen

Istanbul/Türkei (Institut für Islamfragen, 09.12.2004, mk) In

Antalya hat der türkische Ministerpräsident, Recep Tayyip Erdogan, einen

"Park der Religionen" eröffnet. Erdogan rief bei der Eröffnung des Gartens

gegen den Fanatismus auf. Die Tourismusbranche in Belek gab 1 Billion

Türkische Lira für den Garten aus, was ungefähr 500.000 Euro entspricht. Der

Park soll die Religionen Islam, Christentum und Judentum miteinander

versöhnen. Bei der Eröffnung waren unter anderem anwesend der

niederländische Europaminister, Atzo Nicolai, eine große Zahl von Vertretern

ausländischer Konsulate und türkischer Geistlicher vieler Religionen. Der

griechisch orthodoxe Patriarch Bartholomeos war nicht anwesend. Erdogan

versuchte auf einen Nenner mit allen zu kommen: "Niemand hat das Recht das

heiligste Menschenrecht (einer Glaubenszugehörigkeit) zu missbrauchen."

Dagegen sehe jeglicher Fanatismus nur sich selbst und spreche jedem, der

anders ist, das Lebensrecht ab, fuhr Erdogan fort. Jeder auf der Welt müsse,

so Erdogan, gegen den Fanatismus kämpfen. Der Vertreter des Vatikans,

Alphonse Sammut, gab zu verstehen, dass die Türkei an einem Wendepunkt

angekommen sei, weil es nach 80 Jahren zum ersten Mal wieder möglich sei,

ein neues Kirchengebäude zu errichten.

 

Bereits zuvor hatte Erdogan gemeinsam mit dem armenischen Patriarch

Mesrop Mutafayan ein armenisches Museum in Istanbul/Zeytinburnu eröffnet.

Das Museum wurde in dem seit 1832 als armenisches Krankenhaus geführten

Krankenhaus eingerichtet.

 

Quellen: www.hurriyetim.com.tr/haber/0,,sid~1@w~2@nvid~508020,00.asp, www.hurriyetim.com.tr/haber/0,,sid~1@w~2@nvid~506440,00.asp

 

Kommentar des Islaminstitutes: Man fragt sich, ob diese

öffentlichkeitswirksamen Aktionen des Ministerpräsidenten Erdogan eine

nachhaltige Wirkung auf die Gesetzgebung, Polizei und örtliche Verwaltung

zeigen wird. Viele der fast 70 neu gegründeten evangelischen Gemeinden in

der Türkei wird das Leben schwer gemacht. Ausnahmsweise haben eine in

Antalya und eine Gemeinde in Diyarbakir Genehmigungen für die Registrierung

ihres Neubaus erhalten. Das ist aber nicht die Regel. So haben die

Katholiken, Orthodoxen unter großen Beschränkungen zu leiden. Für die

Christen in der Türkei wäre ein EU-Beitritt der Türkei zu wünschen, weil

sich dadurch für sie weitere Verbesserungen ergeben würden. Allerdings ist

im Gegenzug ein verstärkter Einfluss des Islams über die Türkei in Europa zu

erwarten. Dieser Einfluss ist aber bereits jetzt vorhanden und spürbar. Zu

hoffen ist, dass die Türkei sich auch ihrer Geschichte der Massaker der

armenischen Bevölkerung stellt und dadurch zu einem Neuanfang fähig

wird.



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